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Buddhismus

Buddhistische Flagge

1885 wurde von Harry S. Olcott und dem Mönch Sumangala die internationale buddhistische Flagge geschaffen. Die Farben symbolisieren die Aura Buddhas.

Der Buddhismus ist nicht nur eine Religion, sondern eine ganze Zivilisation mit ihrem historischen Hintergrund, mit ihrer eigenen Literatur, Kunst und Philosophie, mit ihren sozialen und politischen Einrichtungen und moralischen Prinzipien. Der Buddhismus entstand im 6. Jahrhundert vor Christus im Tal des Flusses Ganges, von wo er sich über ganz Indien ausbreitete. Zwei Jahrhunderte später brachte der Missionar Mahinda ihn nach Sri Lanka. Mahinda war ein Sohn des berühmten indischen Kaisers Asoka, der selbst auch seine Kriegszüge eingestellt hatte, um dem buddhistischen Glauben zu folgen. Hier in Sri Lanka gedieh der Buddhismus ohne Unterbrechung, und er besteht heute noch in seiner ursprünglichen Form, die sich in 25 Jahrhunderten kaum verändert hat. Der Buddhismus fand von Anfang an bei kultivierten und gebildeten Leuten Beachtung. Das buddhistische Kloster wurde überall zu einem Zentrum der Wissenschaft und der Erziehung. Wo immer sein Einfluss bestand, bereicherte er die Sprache der einheimischen Bevölkerung und unterstützte die Schaffung großer literarischer Werke in Prosa und Dichtung. Auch auf dem Gebiet der Kunst schuf sein Einfluss viele Meisterwerke. Die Fresken in Ajanta und die Skulpturen im Felsentempel von Ellora sind auch heute noch bewundernswürdige Leistungen. Einige der Buddhastandbilder, besonders diejenigen "Samadhi" Buddha in Anuradhapuravon Nara und Kamekura in Japan, sind von unvergleichlicher Würde. Auf unserer Insel Sri Lanka gibt es auch zahlreiche Standbilder des Buddha, zum Beispiel die weltbekannte Statue des "Samadhi" Buddha in
Anuradhapura, der ehemaligen Hauptstadt Sri Lankas. Sie im besonderen zeigt das zentrale Thema, das dem Buddhismus zugrunde liegt- die klare Stille des Geistes, die aus wahrem Wissen und der Unterdrückung der Sinnenwelt entsteht. Jedoch größer noch als solche Spitzenleistungen war der Einfluss, den der Buddhismus auf die Menschen ausübte, die ihm folgten. Er lehrte sie die hohen Ideale des Friedens und der Toleranz, der Freundschaft und Gastfreundschaft, der Barmherzigkeit mit Kranken, der Verfolgung des Guten und Schönen und des Mitleids für alles, was lebt und atmet'. Der Buddhismus ist stolz darauf, dass in seinem Namen noch nie ein Tropfen Blut vergossen wurde. 

Die Anhänger der vier großen Religionen der Welt - Buddhismus, Hinduismus, Christentum und Islam - haben schon immer in Sri Lanka viele Jahrhunderte lang in friedlicher Gemeinschaft nebeneinander gelebt. Viele heilige Stätten, wie zum Beispiel der Adams Peak (auch Sri Pada genannt), dienen ihnen als gemeinsames Pilgerziel. Während der Pilgerzeit besteigen sie den Gipfel dieses heiligen Berges, wo sie alle in Eintracht ihre Andacht halten. Von der Bevölkerung Sri Lankas, die jetzt etwa 13 Millionen beträgt, sind 67 Prozent Buddhisten, die vornehmlich im Westen und Süden des Landes und im zentralen Hochland leben.

Ausbreitung des Theravada-BuddhismusSri Lanka war und ist eine Hochburg des Theravada-Buddhismus, einer Schule des Hinayana-Buddhismus. Durch die Kriege mit den südindischen Mächten und die nachfolgende Kolonialzeit wurde der
Sangha dezimiert, im 18. Jahrhundert schließlich durch burmesische und thailändische Mönche wiederbelebt. Aus dieser Zeit stammen auch die drei existierenden Sekten in Sri Lanka (Nikayas), die sich allerdings weniger in der Lehre als in ihrer personellen Zusammensetzung und in der Art, wie die Robe getragen wird, unterscheiden.

In Kandy ist der Orden Siam Nikaya beheimatet, gegliedert in die beiden Klöster Asgiriya und Malvatta. Obwohl Buddha jedwedes Kastenwesen ablehnte, dürfen in diesem Orden nur Mitglieder der beiden oberen Kasten ordiniert werden. Als Antwort auf diese diskriminierende Bestimmung wurde Anfang des 19. Jahrhunderts der Orden Amarapura Nikaya gegründet; er kennt keine Kastenbeschränkung und ist in Balpitiya bei Galle beheimatet. Als dritte und kleinste Sekte entstand 1835 die Ramanya Nikaya. Dem Gründer, einem Mönch, schienen die beiden anderen Orden zu materialistisch geworden. Die Ramanya Nikaya hat ihren Sitz in Ratmalana, südlich von Colombo und ist im Verhältnis zu ihrer Größe von einigem Einfluss.

Heute leben in Sri Lanka etwa 13.000 bis 15.000 Mönche in mehr als 5.000 Klöstern. Jeder kann Mönch werden. In Sri Lanka bleibt er es dann für sein Leben, hier kennt man die zeitweise Ordinierung wie in Thailand und Burma kaum. Zunehmend gibt es aber so genannte Regenzeit-Klausuren. Für drei bis vier Monate können Laien in ein Kloster eintreten und dort nach den Mönchsregeln leben, das heißt auch: täglich ab 12 Uhr mittags keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen. Vielfach ist es in singhalesischen Familien Brauch, dass der jüngste Sohn Mönch wird; die Jungen treten dann mit etwa zehn Jahren in einen Orden ein.

Buddhistische Nonne (Bhikshuni) in Sri LankaNonnen ( Bhikshunis) bilden nach Buddhas Lehre einen eigenen Orden. Der Bhikshunis Sangha spielte einst auch in Sri Lanka eine maßgebliche Rolle bei der Verbreitung und Pflege des Buddhismus. Während der Kriege mit Südindien wurden seine Klöster jedoch zerstört und nicht wiederbelebt. Heute gibt es einen dogmatisch anmutenden Streit zwischen Mönchs-Sangha und Bhikshunis, die nach selbst auferlegter klösterlicher Disziplin leben, aber keinen Orden bilden. Abhilfe könnte eine ordinierte Nonne aus Korea, Japan oder China schaffen, aber diese sind Vertreter des Mahayana, und, so bestimmt es der (männliche) Sangha damit würden fundamentale Regeln verletzt. Für rund 2.500 Bhikshunis, die doch keine sind, ist das ein hartes Los, denn sie können die Buddhistische Universität nicht besuchen, auch haben sie weniger soziales Prestige.

Das Prestige ist für den Sangha an sich sehr hoch und wird in der Bevölkerung noch verstärkt durch die Lehrtätigkeit der Mönche in den Dörfern. Außerdem hat der Sangha erheblichen politischen Einfluss, nicht nur durch den Besitz an Land, der in den Jahrhunderten durch königliche Schenkungen zusammenkam, sondern vor allem durch nationalistische Strömungen, wie sie Anfang des 20. Jahrhunderts begannen und zur Unabhängigkeit führten. Staat und Buddhismus bleiben eng verbunden. 1956 unterstützte der Sangha die »Sinhala-only«-Sprachkampagne der linksgerichteten Sri Lanka Freedom Party. 1977, als diese dann darangehen wollte die Klöster zu besteuern, stellte sich der Sangha deutlich auf die Seite der Politiker der konservativen UNP. Unbestritten kommt aus dem Sangha auch viel Antrieb für einen harten Kurs im Rassenstreit mit den Tamilen der Insel. Viele Buddhisten und besonders Mönche sehen sich als auserwähltes Volk, den Theravada-Buddhismus zu hüten, und denken entsprechend chauvinistisch und unversöhnlich.

Sri Lanka als Hort des ursprünglichen Theravada-Buddhismus, als Hort der Philosophie, und trotzdem Reliquienverehrung, Buddha-Statuen, Tempel und Mönche, die sich in die Politik einmischen? Nun, ein erheblicher Teil des Sangha lebt nach wie vor in abgeschiedenen Waldklöstern oder Dörfern, und die Mönche sind vornehmlich damit beschäftigt, die Lehre Buddhas zu erfassen. Die Laien, also rund 70% des Volkes, lassen sich wohl durch Reliquien an die Lehre Buddhas erinnern, bringen aber gleichzeitig auch ihren lokalen Geistern und Göttern Opfer dar. Ersteres ist Mahayana-Einflüssen zuzuschreiben, letzteres störte auch den Buddha nicht, der es als Station auf dem Weg zur Erleuchtung hinnahm. denn auch alle Götter sind der Wiedergeburt und den Leiden ausgesetzt, und sei es nur, weil sie Fiktion leidender Menschen sind.

 

Tempel und Feste

     
 

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