Rund
50 Km nordöstlich von Hambantota liegt Kataragama der, nach
Adam's Peak zweitwichtigste Wallfahrtsort Sri Lankas. Wie Adam's
Peak hat der Ort während der Pilgersaison im Juli und August
gleichermaßen Bedeutung für Hindus, Buddhisten und Moslems. Das
Hauptheiligtum steht inmitten eines Waldgebietes am Ufer des
heiligen Flusses Menik Ganga (Fluss der Steine) und ist umgeben
von sieben niedrigen konischen Hügeln.
Für Hindus ist Kataragama der Sitz des hinduistischen
Kriegsgottes Skanda, aber die Gottheit von Kataragama
hat viele Namen, darunter Karttikeya,
oder Subramanya.
Auch den Buddhisten ist Kataragama heilig. König Dutthagamani soll
dort Skanda einen Tempel geweiht haben, nachdem ihm, dem Buddhisten,
der Gott während eines Krieges riet, seine Armee in den Schatten
einer Wolke zu führen und so dem Blick der Feinde zu entziehen. Vor
allem aber soll Buddha bei seinem dritten Besuch auf der Insel hier
meditiert haben und einen Ableger des
heiligen
àBodhi-Baum
von
àAnuradhapura
gepflanzt und den Ort damit geheiligt haben.
Beide Religionen, Hindus wie Buddhisten, glauben, dass der Gott
von Kataragama die Macht besitzt positiven Einfluss auf ihre
Angelegenheiten zu nehmen und Tausende besuchen den Schrein jedes
Jahr, um göttliche Hilfe zu erbitten.
Nach ihrer Ankunft bevölkern die Pilger die Ufer des Menik
Ganga, um sich in dem klaren Wasser einer rituellen
Reinigung zu unterziehen. Jeder wirft eine Kokosnuss auf den
steinigen Boden, in der Hoffnung, dass die harte Schale zerbricht
und die Nuss sich öffnet - ein gutes Omen. Ungewöhnlich ist, dass
sich Hindus und Buddhisten zur
àPerahera
vereinen und gemeinsam dem
àYantra
der Gottheit von Tempel zu Tempel folgen.
Der Tempelkomplex ist sehr alt: Die Errichtung des ältesten
Schreins des hier verehrten Gottes wird dem lokalen König
Dutugemunu zugeschrieben und auf das 2. Jahrhundert v.Chr. datiert.
Der wichtigste buddhistische Schrein, die Kirivehera Dagoba
hat ihren Ursprung im 1. Jahrhundert v. Chr.
Der Menik Ganga trennt das Dorf von dem eigentlichen
Tempelbezirk, den der Staat 1950 zum heiligen Areal erklärte. An
den Ufern des Flüsschens lagern und wohnen die Pilger. Auf dem
dorfzugewandten Ufer tanzen sie sich in Trance, formieren sich zu
Gruppen und ziehen immer weiter tanzend und von Musikgruppen
begleitet durch den Fluss zum Tempelbezirk. Üblich ist es unter den
Pilgern sich auf diesem Weg zu kasteien und fließendes Blut ist bei
diesem Anlass nichts Ungewöhnliches.
Viel Rätselhaftes und Mystisches bleibt nach dem Besuch des
Kataragama-Fests. Noch mehr aber beeindruckt der lebendige,
fröhliche Charakter von Religion und Volksglauben.
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