| Arrak - Genußmittel und Droge |
Es
ist anzunehmen, dass jeder, der Sri Lanka schon einmal besucht hat bereits auf
die eine oder andere Weise mit dem dort allgegenwärtigen Arrak konfrontiert war.
Sei es durch einen Selbstversuch oder die Ansicht penetrant alkoholisierter
Einheimischer, deren Auftreten sich besonders während Feiertagen häuft. Der
Arrak ist ein alkoholisches Getränk, das selten pur, meistens mit Fruchtsäften
oder Cola und von den Srilankern zumeist mit Soda getrunken wird. Auf der Insel
ist der Arrak Genussmittel und Droge, Segen und Fluch, gibt es doch nicht wenige
im Land, für die sich das ganze Leben ausschließlich um dieses preiswerte "gemütsverändernde
Mittel" dreht. Als solches wurde es bereits im Papyrus Ebers (ca. 1500 v Chr.)
erwähnt.
Wie in ganz Asien ist Arrak auch in Sri Lanka
preiswert und in beliebigen Mengen zu haben. Die Brennereien des staatlichen
Monopols schütten Arrak hektorliterweise aus und die Konsumenten tun alles um
mit der Produktion Schritt zu halten. So manches mal drängt sich mir der
Verdacht auf, dass die jeweils Herrschenden im Lande sich das altrömische
Prinzip von "panem et circensis" (Brot und Spiele) zu eigen und die Liebe der
srilankischen Männer zu geistigen Getränken für ihre Zwecke nutzbar machen.
Bevor mich diverse Aufschreie erreichen will ich lieber wieder sachlich werden.
Jedenfalls ist der Rohstoff für die Destillation von Arrak in nahezu jeder
beliebigen Menge in Sri Lanka vorhanden und es wundert nicht, dass fleißig
produziert und konsumiert wird.
Ich
selbst muss gestehen, dass ich, trotzdem ich einem guten Schluck nicht abgeneigt
bin, dem Genuss von Arrak nicht unbedingt viel abgewinnen kann und dabei spielt
nicht nur sein Name der, abgeleitet vom arabischen Wort "araq" so viel wie
"Schweiß" bedeutet, eine Rolle.
Der Rohstoff für die Destillation ist Toddy, hat aber mit dem
möglicherweise aus England, Schottland und Schweden bekannten grogähnlichen
Getränk, das aus Branntwein, Zucker, Eis und Wasser hergestellt wird wenig zu
tun. Die Engländer waren es lediglich, die den Namen für diesen vergorenen
Palmwein zur Verfügung stellten.
Zur
Herstellung von Palmwein aus Zuckerpalme (Arenga saccharifera)
wird der männliche Blütenkolben bei dem ersten Erscheinen der Frucht drei Tage
hintereinander mit einem Stöckchen gepeitscht und dann etwas über seiner Basis
abgeschnitten. Der ausfließende zuckerreiche Saft (Toddy) schmeckt wie frischer
Most und geht bald in alkoholische Gärung über. Toddy ähnelt dem uns bekannten
Federweissen.
Auch die Blütenkolben von der Kokospalme (Cocos
nucifera) liefern angenehm schmeckenden Toddy, der schnell in Gärung
übergeht. Durch Destillation gewinnt man aus 100 Liter Palmwein 25 Liter Arrak.
Nebenbei bemerkt lässt sich aus Palmsaft durch Eindicken auch Palmzucker
herstellen. Bei längerem Stehen wandelt sich Palmwein in Palmessig um.
Ölpalmen
(Cocos butyracea) liefern ebenfalls einen hochwertigen Wein; der
Stamm wird gefällt und, wo Blätter und Blüten hervorbrechen, ausgehöhlt. In dem
gebildeten Loch sammelt sich der Palmwein 18 bis 20 Tage lang, von dem die
letzten Portionen am alkoholreichsten, obwohl weniger süß sind.
Auf Sri Lanka ist die Gewinnung von Toddy aus
Palmyrapalme (Borassus flabellifer) sehr entwickelt. Das Anzapfen
geschieht bei dieser Palme auf die gleiche Weise wie bei Kokos, doch liefert sie
mehr Saft. Auch Kittulpalmen (Caryota urens) liefern - namentlich
in der heißen Jahreszeit - eine außerordentliche Menge Toddy.
Sogenannte "Toddy Tappers" erklettern mit
einfachsten Mittel geschickt die Palmen und zapfen die Palmen an. Der Palmsaft
fließt in kleine Behältnisse, deren Inhalt nach Ablauf eines Tages in bereits
angegorenem Zustand eingesammelt wird. Häufig sind die Toddy Tapper Besitzer der
von ihnen bewirtschafteten Palmen obwohl der Grund und Boden des Standortes
jemand anderem gehören. Das ist eine der Eigenarten srilankischer Gesetze.
Zurückzuführen ist diese Regelung auf das von den früheren englischen
Kolonialherren praktizierte "squatters right", einer Art Gewohnheitsrecht, auf
dem auch heute noch wesentliche Teile srilankischer Rechtssprechung beruhen und
das (leider) Raum für weitgehende Interpretationen durch die Gerichte zulässt.
Trifft man auf einen Toddy Tapper bei der Arbeit so
wird man häufig zu einem Schälchen eingeladen. Beim Genuss des angebotenen
Getränks sollte man tunlichst auf unerwünschte Insektenbeigaben achten, die sich
über Nacht ebenfalls am Toddy gütlich getan haben und das mit ihrem Leben
bezahlen mussten. Darüberhinaus empfiehlt es sich den Olfaktorius temporär
auszuschalten, denn Toddy riecht, wie alles Gärende, nicht gerade appetitlich.
Häufig gewinnt man den
Eindruck der einladende Toddy Tapper stünde ein wenig "neben sich". Zumeist ist
dieser Eindruck richtig, denn die Angehörigen der
Kaste
der Durava (Palmweinzapfer) sind bekannt dafür dem Ergebnis ihrer
Arbeit selbst tüchtig zuzusprechen.
Das Endprodukt, der Arrak, kann dann in
lizensierten Läden erworben oder in ebenfalls lizensierten Bars und Restaurants
erworben werden. Dabei reicht das Spektrum der Qualitäten von (etwa Rs
400/Flasche) über doppelt destillierten (etwa Rs 450 bis Rs 550/Flasche) bis zu
lange gelagerten Sorten, deren Preis über Rs 1.000 betragen kann und die
ausschließlich in exklusiven Läden in Colombo erhältlich sind. Die gängigsten
Sorten im Wine Store haben einen Alkoholgehalt von 32 bis 36 Volumen %.
Die in den Wine Stores erhältlichen Arraksorten sind
in folgende Kategorien unterteilt:
- V.S.O.A. ("Very Special Old Arrack")
- Old Reserve
- Extra Special
- Double Distilled
Will man eine Flasche erwerben sollte man darauf
achten, nicht übervorteilt zu werden. Es empfiehlt sich genannte Preise
grundsätzlich mit dem auf dem Etikett jeder Flasche aufgedruckten, behördlich
festgelegten Verkaufspreis zu vergleichen. Gleiches gilt für Bier, wobei hier
häufig ein Aufpreis für Kühlung geltend gemacht wird.
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